Das Problem war, dass unsere Umsteigezeit in Toronto viel zu kurz war und der Abflug auf Barbardos (mit Westjet) bereits Verspätung hatte. Als wir also am Immigrationschalter in Toronto standen und ein sehr freundlicher junger Beamte uns unsere Work and Travel Permits in unsere Pässe stempelte, verneinte er gleich und meinte, wir werden unsere Anschlussmaschine wohl nicht mehr schaffen, nicht in 30 Minuten. "Geht am besten gleich zum Check-In Schalter der Airline." Einmal tief durchatmen und das Ganze verdauen, wichtig ist unseren Abholern Heidi und Herb auf dem Flughafen in Montréal schnellstmöglich bescheid zu geben. Mit den Worten "Welcome home" überreichte der nette Beamte uns unsere Pässe, nachdem er auch genauer erklärt hatte, in welchen Bereichen wir generell in Kanada arbeiten dürfen. Wir also mit unserem Gepäck zum Check-In Schalter. Der war natürlich schon längst geschlossen. Es war schon nach 22 Uhr abends. Am Infodesk haben wir dann versucht einen Menschen von Westjet an die Strippe zu bekommen und tatsächlich tauchte wenig später ein junger Mann auf und fragte uns, warum wir denn nicht zu den Connecting Flights gegangen wären. Wir dachten, wir wären eh zu spät. Ab da an ging alles ganz schnell. Die Maschine wartete tatsächlich noch auf uns. Wir mussten im Schnelldurchlauf unser Gepäck aufgeben, mit dem Risiko, dass es nachkommen würde und schnell durch die Security, wo auch schon ein anderer Mitarbeiter stand, um uns abzuholen und uns zu Gate zu bringen. Wir waren glaube ich die letzten Menschen auf diesem Flughafen. Selbst unser Gepäck kam auch noch mit. Was für eine Aktion!
Die ersten Tage haben wir dann sehr entspannt in Herbs und Heidis Haus verbracht. Erstmal die Wintersachen aus unseren beiden Koffern ausgepackt, die wir im Sommer nach Kanada per Post geschickt hatten. Es hatte etwas von Weihnachten, denn ich wusste nicht mehr, was ich alles überhaupt eingepackt hatte. Zusammenfassend kann ich sagen, alles war gut überlegt, bis auf eine Sache: Ich habe fast nur Klamotten in Schwarz!
Bereits in der ersten Woche haben wir uns Apartments angesehen und mal wieder miterlebt, wie manche Nordamerikaner so wohnen, auch nicht immer schön bzw. sehr sauber. Man trifft immer wieder Typen kann ich euch sagen, dass glaub ihr nicht, wenn ihr sie nicht selbst gesehen habt. Am Ende haben wir uns für eine optimale und sehr geniale Wohnsituation entschieden. Der Freund meiner Großcousine Tanja hat zwar eine Wohnung, jedoch wohnt er nicht dort und hat uns gefragt, ob wir dort für wenig Geld vorübergehend wohnen möchten.
Das Ende vom Lied ist nun, dass wir uns pudelwohl in seiner möblierten 2-Zimmer Wohnung fühlen. Gleich vor dem Hauseingang hält der Bus, so dass wir ungehindert die öffentlichen Verkehrsmittel in Montréal nutzen können. Öffentliche Verkehrsmittel beschränken sich auf den Bus und die Metro (die nur in Montréal Downtown fährt). Man muss also für eine 15 min Autofahrt in der Regel eine Stunde Busfahrt einplanen, echt ein "pain in the ass" manchmal, aber was solls, wir haben ja Zeit und sehen es positiv. Auf Arbeitssuche sind wir ebenfalls, was sich als nicht so leicht herausstellt, da wir kein Französisch sprechen. 
Unsere Wohnung liegt im Stadtteil Lachine, fast direkt am Wasser des St. Lorenz Stroms. Hier kann man Joggen, Biken, Bladen oder einfach nur Spazieren gehen. Nicht unweit gibts ein kleines Stadtzentrum mit ein paar Cafés und Restaurants und immer wieder diese sehr schönen historischen Häuser aus der Gründerzeit Montréals, die sich am Wasser langhangeln, in denen Menschen wohnen mit dicken Autos vor der Tür und die mindestens eine Million Dollar kosten. Zwei Querstraßen weiter hinten kommen dann die typischen Malls mit großen Parkplätzen, fußgängerunfreundlich, ein bisschen alt und abgeranzt. Daran schließen sich Banken, Videoverleihe und Fastfoodketten. Eigentlich total unspannend. Eine Welt für Autofahrer, in der Fußgänger keinen Platz haben. Montréal ist im Gegensatz zu Berlin ein kleines Dorf, aber leider mit zu vielen Autos. Alle Straßen sind voll mit PKWs und überall sitzt nur eine Person drin! Alle Straßen sind eigentlich permanent überfüllt und zur Rush Hour geht manchmal gar nichts mehr. Das ist eine Seite von Städteentwicklung, die bereits von der Stadt überdacht wird. Bis 2017 soll ein großes neues Highway Projekt umgesetzt werden. Das Problem könnte man schneller lösen, in dem man zum einen den öffentlichen Nahverkehr attraktiver gestalten könnte und zum anderen mehr Autofahrer auf den Bus umsteigen würden. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, denn hier ist die Devise: Bequemlichkeit! Ein tolles Wort, denn wer hat schon Lust im Winter für 10 - 20 Minuten bei -20 Grad Kälte auf den Bus zu warten. Da setzt man sich doch lieber in sein Auto und dreht die Heizung auf. Wir haben kein Auto und müssen uns deshalb schon einmal mit dem Gedanken anfreunden. Der Winter ist nicht mehr weit! Aubacke, jetzt hab ich mir selbst Angst gemacht!!!